Ich habe gerade eine interessante Pressemitteilung von GIM argo bekommen (einem “Partner für Innovationsmanagement, Trendmanagement und Zukunftsforschung”), die ich nicht so ganz verstehe. Deshalb erstmal die PM im Originaltext und am Ende ein paar Fragen von mir.

-Snip-

Heidelberg, 26. Januar 2007 – Das Trend- und Marktforschungsunternehmen GIM argo warnt Werbetreibende vor einer übertriebenen „Mitmach“- Markenführung im Internet. „Immer mehr Unternehmen laufen Gefahr, dem Markenkern langfristig zu schaden, weil sie die partizipatorischen Fähigkeiten des Web 2.0 überschätzen“, sagt Dr. Kerstin Ullrich, Geschäftsführerin von GIM argo. „User Generated Content darf keine konsequente Markenpolitik ersetzen.“

Sollte die „Mitmach“- Markenführung im Netz weiterhin zunehmen, entstehen bald Produkte ohne Profil und ohne Zielgruppe, so Ullrich. Sie rät: „Trotz aller Möglichkeiten, die das Web 2.0 bietet, dürfen Unternehmen die Wünsche der Zielgruppen nicht 1:1 übernehmen. Vielmehr besteht die Herausforderung darin, die Wünsche der Konsumenten zu interpretieren und marken-analog umzusetzen.“

Besonders kritisch steht Ullrich jenen Werbefilmen gegenüber, die Unternehmen von ihrer Zielgruppe selbst produzieren lassen („User Generated Spots“). Ullrich: „Natürlich ist es einfacher, einen Werbefilm von den Konsumenten drehen zu lassen, als es selbst zu tun. Dazu ist es kostengünstig und humorvoll. Unsere Forschungen haben jedoch gezeigt, dass der Marke langfristig Schaden zugefügt werden kann, wenn man sie demokratisch formbar macht.“ Immer mehr Unternehmen delegierten auf diese Weise die Verantwortung für ihre Marken an ihre Zielgruppen. Beunruhigend, findet Ullrich: „Das zeugt mehr von Ideenlosigkeit als von Verantwortung.“

Partizipation von Konsumenten sollte dort enden, wo der Markenkern beginnt, empfiehlt Ullrich: „Marken vertreten Werte. Im Web 2.0 gibt es hervorragende Beispiele, wie Marken gestärkt werden können, ohne sie aus der Hand zu geben.“ Als Beispiel nennt Ullrich die Entwicklung von „Lebenswelten“, die von der Marketingabteilung ausgewählt werden und zur Marke passen. Die Nutzer sollen sich darin keine Gedanken über das Produkt machen, sondern thematisch agieren wie am Beispiel Nike. Das Unternehmen drehte erst kürzlich mit Hilfe seiner Zielgruppe den längsten Fußball-Spot der Welt.

„Marken spielen weiterhin eine große Rolle bei jungen Erwachsenen. Sie geben ihnen Orientierung. Deshalb sollten Marketer ihnen die Kontrolle über eine Marke nicht selbst überlassen“, betont Dr. Ullrich. Für Unternehmen, die in dem dynamischen Feld jugendlicher Konsumenten agieren, ist es besonders wichtig, nicht nur aktuelle Strömungen im Blick zu haben, sondern Marketingmaßnahmen auch gezielt an den kontextspezifischen Bedeutungen auszurichten, die diese Veränderungen in den relevanten Zielgruppen besitzen. Dieses bestätigt die Studie von GIM argo zum Wertewandel bei jungen Zielgruppen aus dem Jahr 2005 und die im Herbst 2006 veröffentlichte Shell-Studie.

Das Prinzip „Jeder kann sein eigener Redakteur, Filmemacher und Songwriter sein“ mutet laut GIM argo nur oberflächlich betrachtet demokratisch, gerecht und antiautoritär an. Doch nicht jeder verfügt über das notwendige Talent zum Schreiben, Filmen oder Singen. „Das Web 2.0 sollte jungen Erwachsenen nicht eine Realität vorgaukeln, die es nicht gibt. Unternehmen müssen sich ihrer Verantwortung bewusst sein und sollten deswegen die Partizipation an der Markengestaltung nicht überstrapazieren“, so Ullrich.

-Snip-

Hallo, GIM argo, ich habe das noch nicht so ganz verstanden und ein paar Fragen an Euch:

  1. Wie sollten Unternehmen reagieren, wenn die Zielgruppen – trotz allem – eigene Spots kreieren? Man munkelt ja, dass sie das gelegentlich auch ohne Aufforderung der Unternehmen tun. Und dann? Die Anwälte losschicken? Abmahnen? Verklagen? Das Internet löschen?
  2. Könnte es nicht sein, dass Marken längst “demokratisch formbar” sind? Unabhängig davon, ob Unternehmen oder Marktforscher das wollen oder nicht?
  3. Das mit der Realität vorgaukeln habe ich auch nicht verstanden: Wer gaukelt eher Realitäten vor, die es nicht gibt: Die Marken oder das Web 2.0?
  4. Lesen Sie eigentlich Weblogs? Zum Beispiel den Fischmarkt?