Das Image der “großen Bank in Euroland” ist im Keller, wie Spiegel Online berichtet:
Dass ihr Chef beim Normalbürger ein nicht eben strahlendes Image hat, kann der Deutschen Bank noch vergleichsweise egal sein. Viel schwerer für die Bankmanager wiegt: Auch Großkunden sind einer Umfrage zufolge sehr unzufrieden mit dem Geldinstitut.
Lesenswert ist in diesem Zusammenhang ein Artikel auf changeX.de von Ulf D. Posé, Präsident des Ethikverbands der Deutschen Wirtschaft e. V.: Ist der Ruf erst ruiniert…
Zwar ist das Anliegen der Bank, ihren Gewinn steigern zu wollen, legitim, aber Deutsche-Bank-Chef Ackermann erkauft die potenzielle Aktienkurserhöhung, indem er in gleichem Maße den Ruf der Deutschen Bank ruiniert. Er riskiert einiges: Die Grenzmoralkurve zeigt, dass sozialverträgliches Verhalten mit Mehrertrag belohnt wird, gleichzeitig wird sozialunverträgliches Verhalten bestraft. Genau das blüht der Deutschen Bank nun.
(…)
Für den Ethikverband der Deutschen Wirtschaft ist zunächst nichts Unethisches daran zu erkennen, dass ein Unternehmen größte Gewinne mit kleinstem Aufwand zu erwirtschaften versucht. Leider hat Herr Ackermann den Kapitalismus in diesem Fall recht suboptimal realisiert, indem er zwar dafür sorgt, dass die Aktien steigen, jedoch in gleichem Maß der Ruf der Deutschen Bank beschädigt werden kann. Auf diese Weise erstickt sich der Kapitalismus selbst.
( ) Das Jahr wird gut
( ) Das Jahr wird schlecht
(Aus: brand eins Januar / Februar 2005, Cover).
In diesem Sinne wünsche ich allen Leser/innen einen guten Rutsch! Dabei sollten wir nicht vergessen, dass nicht alle Menschen die Wahl haben. Deshalb: Spenden! Sofort.
Für mich war 2004 ein gutes Jahr. Ich habe viele interessante Menschen kennengelernt, eine schöne Wohnung in Büro-Nähe gefunden und mich mit spannenden Themen und Projekten beschäftigt. 2005 wird noch spannender werden. Und falls wir uns noch nicht kennen: Schreibe mir doch mal wer Du bist oder verwende die Kommentarfunktion zu diesem Beitrag. Schamlose Eigenwerbung ist dabei ausdrücklich erlaubt ;-)
Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.
Die Verlagsbranche entdeckt die Blogosphäre: Stefan Baron ist Chefredakteur der WirtschaftsWoche und hat heute ein eigenes Blog auf Blogg.de gestartet: Standpunkt. Weitere Redakteure von der Wirtschaftswoche waren schneller und bloggen bereits seit einigen Tagen. Eine Übersicht gibt es hier. (Via Lummaland)
Würden Künstler tatsächlich am Hungertuch nagen, wenn sie keine CDs mehr verkaufen würden? Zumindest was Ozzy Osbourne betrifft, darf das doch bezweifelt werden – der ist nämlich Multimillionär allein dank T-Shirts (Spiegel Online).
Der Stern hat diese Woche eine schöne Titelstory: Made in Germany – wir sind besser, als wir glauben.
Trotz Arbeitslosigkeit und Reformstau: Es gibt auch ein erfolgreiches Deutschland. Das ist Weltmeister beim Export, Europameister beim Erfinden, Werkstatt hervorragender Fachleute. “Made in Germany” hat die Chance auf neue Blüte – dank alter Tugenden. (Stern.de)
Schön, dass die Medien auch mal die positiven Aspekte Deutschlands betrachten – gejammert wurde lange genug und irgendwelche Studien, in denen Deutschland schlecht abschneidet, findet man wohl immer.
Chefredakteur Andreas Petzold im Editorial:
Mittlerweile nimmt das Ausland die “German angst” vor der Zukunft nur noch kopfschüttelnd zur Kenntnis. Denn die Leistungen der Deutschen sind in Wirklichkeit besser als ihre Stimmung – man muss nur ein wenig genauer hinschauen.
Telepolis stellt interessante Fragen:
Welche Bedeutung hat (…) die in Euro gemessene Zahl, die als BIP bezeichnet wird? Und welche Bedeutung hat somit die aus dem BIP abgeleitete Größe namens “Wirtschaftswachstum”? Ist es gesellschaftlich hilfreich, die schiere Menge an produzierten Gütern zu bewerten, unabhängig davon, ob die Gesellschaft diese Güter überhaupt haben will bzw. sie sich leisten kann?
Das Magazin gibt auch Vorschläge für interessantere Statistiken:
Nehmen Alleinerziehende zu? Ist die soziale Ausgrenzung von Menschen ein Problem? Werden die Menschen toleranter oder eben nicht? Nimmt die Stressbelastung in der Bevölkerung zu oder ab? Steht beim Bürger nicht die Lebensqualität vor wirtschaftlicher Leistung? Lebensqualität wird von der Politik jedoch weitgehend ignoriert und auch nur selten in Statistiken wiedergegeben.
In diesem Zusammenhang ist auch ein weiterer Telepolis-Artikel empfehlenswert:
Neues Wirtschaftswachstum soll Deutschland wieder auf die Beine bringen, doch niemand macht sich Gedanken, was das langfristig bedeutet und wie es funktionieren soll.