Soll man Google zerschlagen? Keinesfalls.

Rainer Hank hat in der FAZ einige lesenswerte Gedanken über das laufende Kartellrechtsverfahren gegen Google veröffentlicht. Hank setzt sich kritisch mit den Vorwürfen auseinander, die von der EU-Kommission (angetrieben von der Verlagslobby) erhoben werden:

Anders als bei der ganz allgemeinen Suche hat Google bei Shopping-Portalen keinen Marktanteil von 90 Prozent. Amazon und Ebay sind bedeutende Anbieter auf diesem Markt ebenso wie etwa idealo.de als Preisvergleichsseite in Deutschland.

Mit Blick auf die (erzwungene) Listung alternativer Preissuchmaschinen, die der EU-Kommission vorschwebt, stellt Henk die berechtigte Frage:

Kann es wirklich im Sinn der Verbraucher sein, durch staatliche Intervention die Dienstleistungen von Google zu verschlechtern, um eine ganz und gar nicht zweifelsfrei erwiesene gefährliche Marktmacht zu begrenzen?

Entscheidend ist aus meiner Sicht der nachfolgende Aspekt:

Googles Monopolmacht ist von Wettbewerbern bestreitbar. In der schnellen Welt des Internet werden bald Nachahmer auf dem Markt sein.

Tatsächlich deutet vieles darauf hin, dass die Karten – zumindest in Teilbereichen – gerade neu gemischt werden. Concierge Dienste wie Magic, GoButler oder Operator lösen Fragen und Probleme viel eleganter als Google. Wer möchte sich schon unterwegs auf einem kleinen Display durch lange Ergebnislisten klicken, wenn die Alternative eine einfache SMS an GoButler ist?

Auch Assistenzsysteme wie Apples Siri oder Microsofts Cortana beantworten unsere Fragen, anstatt lediglich Suchergebnisse auszuliefern. Im lokalen Kontext bedeutet Suchmaschinenoptimierung längst nicht mehr aussschließlich Optimierung für Google, sondern eben auch Optimierung für Siri und Co. (siehe auch: Study: Mobile Search Is Shifting From Google to Mobile Apps Like Yelp).

Abstrus wird es, wenn Google-Kritiker wie Mathias Döpfner eine „totale Abhängigkeit von Google“ beklagen –  als ließe sich Traffic heute ausschließlich über Google generieren. Haben nicht Unternehmen wie Buzzfeed gezeigt, dass sich Reichweite über Facebook aufbauen lässt? Haben auf einem Smartphone nicht ohnehin spezialisierte Apps die Google-Suche in vielen Bereichen abgelöst (oder googelt heute noch jemand nach einem Taxi)?

Sicher: Die neuen Möglichkeiten schaffen neue Abhänigkeiten und damit verbundene (unternehmerische) Risiken. Einige Unternehmen, wie etwa Buzzfeed oder Mercateo, haben die Chancen genutzt und die Risiken rechtzeitig erkannt („Wie Buzzfeed mit E-Mail Marketing das Wachstum vorantreibt“ / „B2B E-Commerce: Wachstum ohne Google„). Andere Unternehmen jammern und versuchen mit massiven Lobbykampagnen ihr Geschäftsmodell zu sichern. Innovationen entstehen auf diesem Weg nicht.

Frankfurter Allgemeine Zeitung: Richtig links sein: Das Beispiel Google